Heute ist schon wieder so ein Lastwagen in eine
Menschnemenge gerast. Makaber aber abwechslungsreich: Er fuhr in eine
Fußgängerzone vor einer Moschee. Jetzt wird diskutiert, ob es sich
hierbei um eine weitere Terroraktion von IS Sympathisanten oder
Anhängern (die sind doch immer Schuld, und wenn nicht, dann spricht
man ihnen die Schuld trotzdem zu) oder um eine Anti-Terror-Aktion von
Irren Leuten ist, die diesen Moslem etwas heimzahlen wollten. Na
Gratulation, liebe Medienwelt, dass man das so schön auf diese
Debatte herunterbrechen kann. Bei dem Angriff gab es mindestens einen
Menschen, der dabei sein Leben verloren hat. Acht weitere Menschen
wurden verwundet. Die Medien sagen, dass sei wenig. Ich bin
entrüstet: Hier sterben gerade Menschen.
Aber das scheint nicht im Vordergrund zu stehen.
Jedenfalls nicht für die Medien die sich weit darüber erlaben
können, Hochrangige Politiker zu interviewen, Meinungen abzufangen
aus den Schockmomenten noch mehr Angst und Schrecken zu gewinnen.
„Habt Angst!“ ist der Ausruf der Medien. „Kauft uns und wir
verraten euch warum!“ rufen sie in eine breite Masse. Klar, die
meisten Medien drehen sich ohnehin nur im Kreis – wie auch der Rest
der Welt – aber beim Thema Terror fällt auf, dass es nicht
Langweilig wird. Makaber aber wahr: Die Lastwagen-In-Menschenmenge
Story wird trotzdem immer wieder gern gelesen. So eine geringe
Variabilität weisen nur die wenigsten Bereiche der modernen Welt auf
– und trotzdem konnten sie die modernen Medien im rasendem (oh, oh)
Tempo erobern, sich in den Mittelpunkt einer inzwischen tausendfach
geführten Diskussion stellen und ein Medienmonopol gründen, von dem
Markus Schulz nur träumen könnte. Ich weiß nicht, wieso die ganze
LKW-in-Menschenmenge Aktion noch immer ein Trend ist. Ich meine in
gewisser Weise muss man den Medien ja auch zu gute sprechen, dass sie
(hoffentlich) nichts dafür können, dass ständig Leute Amok Fahren.
Das liegt ja an den Terroristen. Aber warum machen die das noch? Mich
würde es ja nicht wundern, wenn sich unter den Terroristen bald eine
distanzierende Gruppe herauskristallisieren würde, die den
Mainstream trend kritisieren und sich selbst als Hipster abspalten –
den Bart hätten sie ja schon einmal. Ich kann mir schon vorstellen,
wie die ersten Meldungen in die Presse eingehen „Einrad rast in
Menschenmenge“ oder „Islamist schlägt in Regionalbahn wild mit
einem tragbaren Schallplattenspieler um sich“ – aber ich schweife
ab.
Was ich eigentlich sagen will ist, dass die
Medienwelt nur darauf zu warten scheint, dass ein weiterer LKW in
Menschenmengen rast, einfach deshalb, weil das Profit bringt. (Die
wenigen Anschlagopfer, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen oder
aufgrund des Umstandes, dass sie tot sind, den Kundenkreis der Medien
verlassen werden wohl weit überholt von den vielen neuen Lesern, die
der Terror mit sich bringt) Und weil Terror so ein medienwirksames
Thema ist (letzten Endes schreibe ich ja auch darüber), wird er uns
auch immer und immer wieder aufgetischt. Egal, ob der Leser überhaupt
einen Nutzen daraus ziehen kann oder nicht. Ich bin der Meinung,
dass es Aufgabe der journalistischen Medien sein sollte, eine hohe
Konzentration an Informationen und sachlichen Darstellungen im Text
zu kreieren. Das wird aber – und besonders bei Terrormeldungen –
immer weiter unterschlagen. Da wird immer häufiger gezeigt, wie hohe
Regierungssprecher von „fürchterlichen“ Taten sprechen.
Schlichtweg, um die Furcht weiter zu befeuern.
Stets im Mittelpunkt aller Diskussionen: „Was
hätte man tun sollen?“ „Wie soll man nun weitermachen?“ Die
Antworten auf diese Fragen sind allesamt banal, werden jedoch wie
erwartet ebenfalls von den Medien hochgestochen: Was man hätte tun
sollen – und das trifft auf eine sehr, sehr große Anzahl der
Anschläge zu – wäre nicht etwa eine höhere allgemeine
Überwachung der gar die gezielte Sammlung von Daten zu eventuell
gefährlichen Personen zu legitimieren sondern eher mit eventuellen
IS-Kämpfern zu reden, zu versuchen sie aus der Gehirnwäsche unter
der sie gefangen stehen zu befreien. Präventionsarbeit zu leisten,
indem man Jugendlichen, jungen Erwachsen, Erwachsenen und alten eine
Möglichkeit gibt, sich auszusprechen und über Probleme zu reden –
mit Vertrauenspersonen. Ich habe mal gelesen, dass der IS am
leichtesten die Kinder rekrutiert, die ein gebrochenens Familienbild
haben. Diese Kinder müssen reanimiert werden und zwar von Seiten des
Staates und nicht von terroristischen Organisationen.
Und zu der Frage: „Wie soll man weitermachen?“:
Wäre auch nicht an oberster stelle eine stärkere Überwachung zu
nennen oder der vergrößerte Einsatz von der Polizei im öffentlichen
Einsatz sondern viel mehr zunächst die Versorgung aller betroffener
Bürger und anschließend daran eine Aufklärung an alle, die durch
die Medien nun in Angst leben, vermutlich sogar deshalb erst
Fremdenhass pflegen: Der Staat muss sicherheit vermitteln können und
darf das Einheitsgefühl nicht an den Terror verlieren. Stattdessen
wird die Verbundenheit zum Staat immer weiter durch digitale
Überwachung gesenkt, das Vertrauen sinkt ebenfalls permanent weiter.
Und von dem permanenten Vertrauensverlust zum Staat profitiert am
Ende sowohl der Terror als auch die Medien. Der Einzige, der
tatsächlich durch solche Terrorberichte verliert ist der Leser. Der
bekommt nämlich Angst an Stellen, wo keine hingehört und schafft
somit überhaupt die Möglichkeit dass der Terror ein Medium bekommt.
Fazit: Auf der einen Seite gibt es Wohl oder Übel
ein Problem, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Das Problem ist
der Terrorismus, der jedes Jahr hunderte Menschenleben (jetzt auch in
Europa) fordert. Auf der anderen Seite wird er von den Medien
vollkommen falsch beleuchtet wodurch ein Gefühl der Unsicherheit
entsteht, die die Strukturen des Staatssystems nur weiter schwächen
und die Verbreitung von terroristischen Anschlägen weiter
verbreiten. Aufgabe der Medien sollte es deshalb unter keinen
Umständen sein, Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern viel mehr
aufzuklären und auf Ansprechhilfe bei sozialen Problemen
hinzuweisen. Leider spült letzteres weniger Geld in die Kasse.
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