Montag, 19. Juni 2017

Terror!


Heute ist schon wieder so ein Lastwagen in eine Menschnemenge gerast. Makaber aber abwechslungsreich: Er fuhr in eine Fußgängerzone vor einer Moschee. Jetzt wird diskutiert, ob es sich hierbei um eine weitere Terroraktion von IS Sympathisanten oder Anhängern (die sind doch immer Schuld, und wenn nicht, dann spricht man ihnen die Schuld trotzdem zu) oder um eine Anti-Terror-Aktion von Irren Leuten ist, die diesen Moslem etwas heimzahlen wollten. Na Gratulation, liebe Medienwelt, dass man das so schön auf diese Debatte herunterbrechen kann. Bei dem Angriff gab es mindestens einen Menschen, der dabei sein Leben verloren hat. Acht weitere Menschen wurden verwundet. Die Medien sagen, dass sei wenig. Ich bin entrüstet: Hier sterben gerade Menschen.
Aber das scheint nicht im Vordergrund zu stehen. Jedenfalls nicht für die Medien die sich weit darüber erlaben können, Hochrangige Politiker zu interviewen, Meinungen abzufangen aus den Schockmomenten noch mehr Angst und Schrecken zu gewinnen. „Habt Angst!“ ist der Ausruf der Medien. „Kauft uns und wir verraten euch warum!“ rufen sie in eine breite Masse. Klar, die meisten Medien drehen sich ohnehin nur im Kreis – wie auch der Rest der Welt – aber beim Thema Terror fällt auf, dass es nicht Langweilig wird. Makaber aber wahr: Die Lastwagen-In-Menschenmenge Story wird trotzdem immer wieder gern gelesen. So eine geringe Variabilität weisen nur die wenigsten Bereiche der modernen Welt auf – und trotzdem konnten sie die modernen Medien im rasendem (oh, oh) Tempo erobern, sich in den Mittelpunkt einer inzwischen tausendfach geführten Diskussion stellen und ein Medienmonopol gründen, von dem Markus Schulz nur träumen könnte. Ich weiß nicht, wieso die ganze LKW-in-Menschenmenge Aktion noch immer ein Trend ist. Ich meine in gewisser Weise muss man den Medien ja auch zu gute sprechen, dass sie (hoffentlich) nichts dafür können, dass ständig Leute Amok Fahren. Das liegt ja an den Terroristen. Aber warum machen die das noch? Mich würde es ja nicht wundern, wenn sich unter den Terroristen bald eine distanzierende Gruppe herauskristallisieren würde, die den Mainstream trend kritisieren und sich selbst als Hipster abspalten – den Bart hätten sie ja schon einmal. Ich kann mir schon vorstellen, wie die ersten Meldungen in die Presse eingehen „Einrad rast in Menschenmenge“ oder „Islamist schlägt in Regionalbahn wild mit einem tragbaren Schallplattenspieler um sich“ – aber ich schweife ab.
Was ich eigentlich sagen will ist, dass die Medienwelt nur darauf zu warten scheint, dass ein weiterer LKW in Menschenmengen rast, einfach deshalb, weil das Profit bringt. (Die wenigen Anschlagopfer, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen oder aufgrund des Umstandes, dass sie tot sind, den Kundenkreis der Medien verlassen werden wohl weit überholt von den vielen neuen Lesern, die der Terror mit sich bringt) Und weil Terror so ein medienwirksames Thema ist (letzten Endes schreibe ich ja auch darüber), wird er uns auch immer und immer wieder aufgetischt. Egal, ob der Leser überhaupt einen Nutzen daraus ziehen kann oder nicht. Ich bin der Meinung, dass es Aufgabe der journalistischen Medien sein sollte, eine hohe Konzentration an Informationen und sachlichen Darstellungen im Text zu kreieren. Das wird aber – und besonders bei Terrormeldungen – immer weiter unterschlagen. Da wird immer häufiger gezeigt, wie hohe Regierungssprecher von „fürchterlichen“ Taten sprechen. Schlichtweg, um die Furcht weiter zu befeuern.
Stets im Mittelpunkt aller Diskussionen: „Was hätte man tun sollen?“ „Wie soll man nun weitermachen?“ Die Antworten auf diese Fragen sind allesamt banal, werden jedoch wie erwartet ebenfalls von den Medien hochgestochen: Was man hätte tun sollen – und das trifft auf eine sehr, sehr große Anzahl der Anschläge zu – wäre nicht etwa eine höhere allgemeine Überwachung der gar die gezielte Sammlung von Daten zu eventuell gefährlichen Personen zu legitimieren sondern eher mit eventuellen IS-Kämpfern zu reden, zu versuchen sie aus der Gehirnwäsche unter der sie gefangen stehen zu befreien. Präventionsarbeit zu leisten, indem man Jugendlichen, jungen Erwachsen, Erwachsenen und alten eine Möglichkeit gibt, sich auszusprechen und über Probleme zu reden – mit Vertrauenspersonen. Ich habe mal gelesen, dass der IS am leichtesten die Kinder rekrutiert, die ein gebrochenens Familienbild haben. Diese Kinder müssen reanimiert werden und zwar von Seiten des Staates und nicht von terroristischen Organisationen.
Und zu der Frage: „Wie soll man weitermachen?“: Wäre auch nicht an oberster stelle eine stärkere Überwachung zu nennen oder der vergrößerte Einsatz von der Polizei im öffentlichen Einsatz sondern viel mehr zunächst die Versorgung aller betroffener Bürger und anschließend daran eine Aufklärung an alle, die durch die Medien nun in Angst leben, vermutlich sogar deshalb erst Fremdenhass pflegen: Der Staat muss sicherheit vermitteln können und darf das Einheitsgefühl nicht an den Terror verlieren. Stattdessen wird die Verbundenheit zum Staat immer weiter durch digitale Überwachung gesenkt, das Vertrauen sinkt ebenfalls permanent weiter. Und von dem permanenten Vertrauensverlust zum Staat profitiert am Ende sowohl der Terror als auch die Medien. Der Einzige, der tatsächlich durch solche Terrorberichte verliert ist der Leser. Der bekommt nämlich Angst an Stellen, wo keine hingehört und schafft somit überhaupt die Möglichkeit dass der Terror ein Medium bekommt.


Fazit: Auf der einen Seite gibt es Wohl oder Übel ein Problem, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Das Problem ist der Terrorismus, der jedes Jahr hunderte Menschenleben (jetzt auch in Europa) fordert. Auf der anderen Seite wird er von den Medien vollkommen falsch beleuchtet wodurch ein Gefühl der Unsicherheit entsteht, die die Strukturen des Staatssystems nur weiter schwächen und die Verbreitung von terroristischen Anschlägen weiter verbreiten. Aufgabe der Medien sollte es deshalb unter keinen Umständen sein, Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern viel mehr aufzuklären und auf Ansprechhilfe bei sozialen Problemen hinzuweisen. Leider spült letzteres weniger Geld in die Kasse.

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