Samstag, 24. Juni 2017

Ich glaub ich Fidget-Spinne!


Unvorstellbar. So ein riesen Trend. Ich habe beschlossen jetzt auch darüber zu schreiben, wenn ihn eh schon jeder kennt. (Das sollte dann aber auch der erste und letzte Reim in diesem Posting sein) Die Volksstimme berichtete bereits vor zwei Wochen über den Trend, der aktuell durch Deutschland kreiselt, ungeachtet den Umständen, dass sie bereits im Mai einen nahezu gleichen Artikeldazu verfassten. Der einzige Unterschied zwischen den zwei Berichten: Der zuerst erschienene Artikel berichtet über den Fidget Spinner in den USA der zweite Artikel berichtet über genau den selben Kreisel, diesmal aber in Deutschland. Dabei war dieser Kreisel schon mitte Mai überall in Deutschland zu sehen.
Das interessante an Fidget-Spinnern ist: nichts. Wirklich, es ist nur ein Spielzeug, das Kinder und Jugendliche gleichermaßen toll finden. Das zeugt meiner Meinung nach davon, dass sich die Geschmäcker von Kindern und Jugendlichen zunehmend auf einen Nenner bringen lassen, weshalb sie eben auch das selbe Spielzeug mögen. Das selbe Prinzip ließe sich auch auf Pokémon GO anwenden. Daraus entsteht das, was im Allgemeinen hin als „Hype“ bezeichnet wird. „Hype“ ist in etwa so ziemlich exakt das selbe wie „Trend“ und bezeichnet eben jene Dinge, die gerade in hoher Frequenz und bei möglichst vielen Altersgruppen – meist sind das Kinder und Jugendliche – aufkommen. Dieser Hype wiederum sorgt dafür, dass er überall vermarktet wird und auch von den Medien immer wieder aufgegriffen und behandelt wird. Dadurch, dass dieser Hype immer wieder in den Medien aufkommt oder im Freundeskreis weitergetragen wird, hält er sich am Leben. So lang, bis die ursprüngliche Quelle, die Kinder und Jugendlichen, keine Lust mehr auf den Trend haben, und sich was neues, unbekanntes suchen.
Drehen sich im Kreis: Medienberichte über neue "Trends"
Das traurige dabei: Die Medien werden auch wieder darüber berichten. Jeder Trend wird in alle Welt gestreut, es wird Umfragen geben, wie man den Trend findet, ein Großteil der gesellschaft (oder je nachdem eben der Teil der Gesellschaft, der am lautesten Schreien kann) wird sich spalten, Positionen einnehmen, meist die Eltern, die den Sinn und Spaß hinter dem neuen Trend nicht verstehen können. Es hat etwas rätselhaftes. Der Prozess der Trend-Bildung hat sich oft und wird sich auch weiterhin wiederholen. (Ich beginne langsam zu befürchten, dass ich nach einem Jahr so etwa jedes Thema durchlebt habe, was auch die Medien durchmachen – und dann selbst anfange mich mit meinen Postings im Kreis zu drehen. Aber da kann ich dann ja nichts dafür, es ist die Böse Welt, die sich nie verändert – außer es geht um Klimawandel) Aber jede Wiederholung wird einzeln abgehandelt. Hier heißt es: Fidget-Spinner lenken ab. Das stimmt. Ich glaube aber, dass de Eigentliche Ablenkung aus Medienberichten herrührt, die immer wieder erklären, was ein Fidget-Spinner ist. Für die wenigen, die es noch nicht wissen (und die es eigentlich auch nicht Interessiert). Es gibt bestimmt viel interessante Dinge in der Welt da draußen, aber die Medien lassen sich ablenken. Von Fidget-Spinnern.

Fazit: Der Fidget-Spinner ist ein weiterer Hype. Das haben auch die Medien erkannt. Anstatt sich mit dieser Erkenntnis zufrieden zu geben und die Leute machen zu lassen, werden Seitenweise berichte darüber gebracht. Und web-blogs berichten davon. Meiner zum Beispiel. Über Sinn und Zweck von Spielzeug zu streiten bringt jedenfalls nicht die Seriöse Grundlage, die man sich von einer Zeitung wünschen könnte. Es erfüllt eben nicht alles einen höheren Zweck in der Welt und wenn ihr mich fragt: Ist das auch absolut wichtig so.

Montag, 19. Juni 2017

Terror!


Heute ist schon wieder so ein Lastwagen in eine Menschnemenge gerast. Makaber aber abwechslungsreich: Er fuhr in eine Fußgängerzone vor einer Moschee. Jetzt wird diskutiert, ob es sich hierbei um eine weitere Terroraktion von IS Sympathisanten oder Anhängern (die sind doch immer Schuld, und wenn nicht, dann spricht man ihnen die Schuld trotzdem zu) oder um eine Anti-Terror-Aktion von Irren Leuten ist, die diesen Moslem etwas heimzahlen wollten. Na Gratulation, liebe Medienwelt, dass man das so schön auf diese Debatte herunterbrechen kann. Bei dem Angriff gab es mindestens einen Menschen, der dabei sein Leben verloren hat. Acht weitere Menschen wurden verwundet. Die Medien sagen, dass sei wenig. Ich bin entrüstet: Hier sterben gerade Menschen.
Aber das scheint nicht im Vordergrund zu stehen. Jedenfalls nicht für die Medien die sich weit darüber erlaben können, Hochrangige Politiker zu interviewen, Meinungen abzufangen aus den Schockmomenten noch mehr Angst und Schrecken zu gewinnen. „Habt Angst!“ ist der Ausruf der Medien. „Kauft uns und wir verraten euch warum!“ rufen sie in eine breite Masse. Klar, die meisten Medien drehen sich ohnehin nur im Kreis – wie auch der Rest der Welt – aber beim Thema Terror fällt auf, dass es nicht Langweilig wird. Makaber aber wahr: Die Lastwagen-In-Menschenmenge Story wird trotzdem immer wieder gern gelesen. So eine geringe Variabilität weisen nur die wenigsten Bereiche der modernen Welt auf – und trotzdem konnten sie die modernen Medien im rasendem (oh, oh) Tempo erobern, sich in den Mittelpunkt einer inzwischen tausendfach geführten Diskussion stellen und ein Medienmonopol gründen, von dem Markus Schulz nur träumen könnte. Ich weiß nicht, wieso die ganze LKW-in-Menschenmenge Aktion noch immer ein Trend ist. Ich meine in gewisser Weise muss man den Medien ja auch zu gute sprechen, dass sie (hoffentlich) nichts dafür können, dass ständig Leute Amok Fahren. Das liegt ja an den Terroristen. Aber warum machen die das noch? Mich würde es ja nicht wundern, wenn sich unter den Terroristen bald eine distanzierende Gruppe herauskristallisieren würde, die den Mainstream trend kritisieren und sich selbst als Hipster abspalten – den Bart hätten sie ja schon einmal. Ich kann mir schon vorstellen, wie die ersten Meldungen in die Presse eingehen „Einrad rast in Menschenmenge“ oder „Islamist schlägt in Regionalbahn wild mit einem tragbaren Schallplattenspieler um sich“ – aber ich schweife ab.
Was ich eigentlich sagen will ist, dass die Medienwelt nur darauf zu warten scheint, dass ein weiterer LKW in Menschenmengen rast, einfach deshalb, weil das Profit bringt. (Die wenigen Anschlagopfer, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen oder aufgrund des Umstandes, dass sie tot sind, den Kundenkreis der Medien verlassen werden wohl weit überholt von den vielen neuen Lesern, die der Terror mit sich bringt) Und weil Terror so ein medienwirksames Thema ist (letzten Endes schreibe ich ja auch darüber), wird er uns auch immer und immer wieder aufgetischt. Egal, ob der Leser überhaupt einen Nutzen daraus ziehen kann oder nicht. Ich bin der Meinung, dass es Aufgabe der journalistischen Medien sein sollte, eine hohe Konzentration an Informationen und sachlichen Darstellungen im Text zu kreieren. Das wird aber – und besonders bei Terrormeldungen – immer weiter unterschlagen. Da wird immer häufiger gezeigt, wie hohe Regierungssprecher von „fürchterlichen“ Taten sprechen. Schlichtweg, um die Furcht weiter zu befeuern.
Stets im Mittelpunkt aller Diskussionen: „Was hätte man tun sollen?“ „Wie soll man nun weitermachen?“ Die Antworten auf diese Fragen sind allesamt banal, werden jedoch wie erwartet ebenfalls von den Medien hochgestochen: Was man hätte tun sollen – und das trifft auf eine sehr, sehr große Anzahl der Anschläge zu – wäre nicht etwa eine höhere allgemeine Überwachung der gar die gezielte Sammlung von Daten zu eventuell gefährlichen Personen zu legitimieren sondern eher mit eventuellen IS-Kämpfern zu reden, zu versuchen sie aus der Gehirnwäsche unter der sie gefangen stehen zu befreien. Präventionsarbeit zu leisten, indem man Jugendlichen, jungen Erwachsen, Erwachsenen und alten eine Möglichkeit gibt, sich auszusprechen und über Probleme zu reden – mit Vertrauenspersonen. Ich habe mal gelesen, dass der IS am leichtesten die Kinder rekrutiert, die ein gebrochenens Familienbild haben. Diese Kinder müssen reanimiert werden und zwar von Seiten des Staates und nicht von terroristischen Organisationen.
Und zu der Frage: „Wie soll man weitermachen?“: Wäre auch nicht an oberster stelle eine stärkere Überwachung zu nennen oder der vergrößerte Einsatz von der Polizei im öffentlichen Einsatz sondern viel mehr zunächst die Versorgung aller betroffener Bürger und anschließend daran eine Aufklärung an alle, die durch die Medien nun in Angst leben, vermutlich sogar deshalb erst Fremdenhass pflegen: Der Staat muss sicherheit vermitteln können und darf das Einheitsgefühl nicht an den Terror verlieren. Stattdessen wird die Verbundenheit zum Staat immer weiter durch digitale Überwachung gesenkt, das Vertrauen sinkt ebenfalls permanent weiter. Und von dem permanenten Vertrauensverlust zum Staat profitiert am Ende sowohl der Terror als auch die Medien. Der Einzige, der tatsächlich durch solche Terrorberichte verliert ist der Leser. Der bekommt nämlich Angst an Stellen, wo keine hingehört und schafft somit überhaupt die Möglichkeit dass der Terror ein Medium bekommt.


Fazit: Auf der einen Seite gibt es Wohl oder Übel ein Problem, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Das Problem ist der Terrorismus, der jedes Jahr hunderte Menschenleben (jetzt auch in Europa) fordert. Auf der anderen Seite wird er von den Medien vollkommen falsch beleuchtet wodurch ein Gefühl der Unsicherheit entsteht, die die Strukturen des Staatssystems nur weiter schwächen und die Verbreitung von terroristischen Anschlägen weiter verbreiten. Aufgabe der Medien sollte es deshalb unter keinen Umständen sein, Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern viel mehr aufzuklären und auf Ansprechhilfe bei sozialen Problemen hinzuweisen. Leider spült letzteres weniger Geld in die Kasse.

Sonntag, 18. Juni 2017

Armin Kaster: Ich hab schon über 500 Freunde!

Zufall. Der Zufall wirft einen immer wieder vor die merkwürdigsten Schnipsel der Kunst. In diesem Fall bin ich zufälligerweise mit dem Werk des Armin Kaster „Ich habe schon über 500 Freunde“ zusammengekommen. Im Jahr 2012 als K.L.A.R. (KLAR steht für „Kurz. Leicht. Aktuell. Real.“ wirklich. Das imponiert selbst mir, von diesen Abkürzungsmöglichkeiten könnte selbst ich etwas lernen. Dann steht G-E-SCH-MA-C-K-L-O-S ab jetzt für „Gegenwärtig extrovertierter Schlaumeier macht coole Kritiken: Labern ohne Sinn“) Taschenbuch erschienen und wird einem heute für etwa fünf Euro hinterhergeworfen. Aufgrund des niedrigen Preises oder des doch geringen Umfanges des Buches – bei außerdem sehr relevanter Thematik – hat sich dieses Buch wohl einen Platz in der Schulliteratur verschafft. Empfohlen für Kinder ab 12 Jahren – die Jahrgangsstufe 7 meines alten Gymnasiums hatte jedenfalls zuletzt die Ehre, sich damit zu beschäftigen. So traf es dieses Jahr auch meine kleine Schwester, die sich mit der fabelhaft konstruierten Geschichte von Armin Kaster auseinandersetzen durfte.
So entschied der Zufall, dass ich auch einen Blick in das Werk wagte. Ich muss gestehen, ich wurde aus dem Umstand heraus, dass meine Schwester das Werk bereits erarbeitet hatte und damit alles andere als zufrieden war, bereits beeinflusst und hatte gar nicht die Möglichkeit, das Werk neutral zu betrachten. Was mir allerdings höchstwahrscheinlich nach dem ersten Blick ins Buch schwer fallen würde: Die Schriftgröße und der Zeilenabstand erinnerten mich ein wenig an meine Lesefibel aus der ersten Klasse – gut, das ist etwas überzogen. Aber ich denke ein Zweitklässler wäre mit der Schriftgröße bereits sehr gut bedient. Wie auch immer. Man sollte ein Werk niemals auf seine äußeren Werte beschränken – obwohl es sicher auch nicht gut ist, sich lediglich auf die inneren Werte zu konzentrieren. Das ist eben das Besondere an meinem Blog: Ich mache beides. Und ich schweife ab. Mehrmals. Zurück zum Werk:
Im Deutschunterricht habe ich gelernt, dass es bei Zusammenfassungen von literarischen Werken eine klarer Struktur gibt, die einzuhalten ist. Ich bin so froh, dass ich mich jetzt bewusst nicht danach richte. Um kurz die Handlung zu erklären geht es um ein junges Mädchen, Alina, welches mit ihrer Familie aus ihrer Heimatstadt Köln wegzieht nach Hamburg. Da sie den Kontakt mit all ihren alten Freunden beibehalten will, erstellt sie sich auf Anraten ihres Bruders Ben einen Facebook Account und bleibt auf diese Weise mit ihren alten Freundinnen in Verbindung. Noch gequält vom Abschiedsschmerz fällt es ihr sehr schwer in der neuen Klasse in Hamburg Freundschaften zu schließen, sie zieht sich zurück und pflegt lieber den Kontakt mit ihren alten Freundinnen. Mit der Zeit findet sie eine stetig wachsende Freude an dem sozialen Netzwerk und beginnt ein Verlangen danach zu entwickeln, mehr und mehr facebook likes zu bekommen. In den Sommerferien kommt sie auf die Idee so viele Freundschaftsanfragen zu stellen wie möglich. Auch an Leute, mit denen sie privat gar nicht befreundet ist. Nach relativ kurzer Zeit bemerkt sie jedoch, dass sie zwar immer Anfragen verschickt, die meist auch akzeptiert werden, jedoch selbst äußerst selten Anfragen zugesendet bekommt. Daraufhin fasst Alina den Beschluss, interessantere Inhalte zu veröffentlichen, indem sie freizügige Fotos von sich veröffentlicht. Um viele Likes zu erhalten kommentiert sie ihre Fotos mit Aufforderungen wie „Bei 50 Likes gibt es ein weiteres Foto!“ Ihr Plan geht auf: Nach wenigen Minuten gab es die ersten Likes, sowie auffordernde Kommentare von Nutzern, die sie nicht kennt, mehr Haut zu zeigen. Im Rausch der Aufmerksamkeit kommt Alina diesen Aufforderungen nach und distanziert sich immer mehr von ihren alten Freundinnen. Alinas Eltern haben keine Ahnung, wie sich Alina im Internet darstellt. Dennoch führt die Isolation immer wieder zu Konflikten mit der daraufhin schlecht gelaunten Mutter sowie mit dem irritiertem Vater, der jedoch zunächst davon ausgeht, dass die Fotos auf Alinas PC nicht Alina zeigen, sondern irgendwelche Models. Nach einer Weile spitzt sich die Situation immer weiter zu, Alina postet Bilder von sich, in welcher sie halbnackt lediglich in Unterwäsche bekleidet ist und schmierige Typen schreiben noch schmierigere Kommentare. Alina fühlt sich in ihrer Position sehr wohl: Sie hat noch nie Erfahrungen mit Aufmerksamkeit in diesem großen Stil sammeln können und genießt es, so viele positive Kommetare zu erhalten. Eines Tages jedoch kommentiert ein Mädchen aus ihrer neuen Klasse einen hasserfüllten Kommentar unter Alinas Bild – und dem Kommentar folgen dutzende weitere von anderen Klassenkameraden. Die Bilder von Alina kursieren nun in ihrem direkten Umfeld, sie kann sich nicht mehr davor verstecken: Alle Leute an ihrer neuen Schule werden die Bilder gesehen haben, wenn die Sommerferien vorbei sind. Auch werden viele Eltern auf Alinas Bilder aufmerksam und kontaktieren daraufhin Alinas Lhererin, welche wiederum einen Hausbesuch bei Alina einleitet um die Situation zu regeln. Alina löscht ihren Facebook account und bekommt anschließend die Möglichkeit, eine andere Schule zu besuchen. Dort macht sie dann alles besser, pflegt soziale Kontakte und baut auch wieder Kontakt zu ihren alten Freundinnen auf. Die Geschichte Endet mit einem sehr optimistischen Happy End.
Soweit die Handlung (grob angerissen) Ich persönlich bin davon wenig überwältigt gewesen. Die Hauptlektion des Werkes sollte wohl sein „Das Internet vergisst nichts“ jedenfalls wird der Satz in dem gesamten Werk etwa 23 mal erwähnt (Nein, ich habe nicht gezählt. Wer es zählen will… der sollte es vielleicht lieber lassen und sich stattdessen mit Interessanteren Dingen beschäftigen..) Daraus ließe sich immerhin eine wichtige Maxime ableiten: „Poste nichts, von dem du nicht wollen würdest, dass die ganze Welt es sieht“ dass „das Internet nichts vergisst“ ist eine durchaus wichtige Lektion, die einen davor bewahren sollte, unsinnigen Stuss oder eben erotisch geladene Inhalte von sich zu veröffentlichen. Aber durch das Ende, in welchem Alina „begnadigt“ wird und eine „zweite Chance“ bekommt, wird suggeriert dass man eben doch vor dem Internet weg rennen kann und dass früher oder später eben doch „Gras über die Sache wachsen wird“ Auch wenn das ebenfalls stimmt stellt sich doch die Frage, was der Autor mit dem Ende erreichen wollte. Der Herr Kaster hat hier auf der einen Seite eine herrlich absurde Situation kreiert, in welcher der fatale Umgang mit sozialen Medien mehr als nur dramatisiert dargestellt wird. Die gesamte Situation wirkt ohnehin schon beim Lesen so unglaubwürdig konstruiert. Als allererstes die Alliteration Familie: Die mürbe Mutter, der verwirrte Vater, der Bruder Ben und die abhängige Alina – rund um Facebook-Freundschaften (nun gut, das ist vielleicht weit hergeholt) und dann die naivität aller beteiligten, die Überhaupt erst zu dem Desaster führten: Der Vater, der so naiv ist zu glauben, dass die Fotos auf dem PC von Alina, die sein Haus und seine Tochter zeigen, ebenso eine fremde Person, die seiner Tochter nur zufällig sehr ähnlich sieht, in einem fremden Haus, das seinem nur zufällig exakt gleicht, zeigen könnten. Der Bruder, den es offenkundig nicht interessiert, dass sich Alina zunehmend von ihm distanziert und ihm auch die Facebook-Freundschaft kündigt und die Mutter, die zwar durchaus bemerkt, dass sich Alina komisch verhält den ganzen tag nur am PC sitzt und allgemein isoliert, aber dennoch nichts großes dagegen Unternimmt oder wenigstens Nachforschungen anstellt.
Dann ist da das Problem überhaupt. Die so drastisch dargestellte Naivität von Alina (obwohl ich langsam fürchte, dass es derartiges Denken tatsächlich in so manchen Köpfen gibt), die sich immer mehr für positive Resonanz prostituiert, Selbstgespräche führt und bei vollem Ernst vor ihrem PC sitzt und sich sagt: „genau so habe ich es gewollt“ wenn schmierige Typen mit „GEIL MEHR DAVON“ kommentieren. Algemein lässt sich zu den Kommentaren unter den Bildern von Allina sagen, dass sie sich nach einigen Kapiteln allesamt ähneln – Dem Herrn Kaster ist wohl nach geraumer Zeit einfach nicht mehr Schleim eingefallen (was prinzipiell für ihn oder zumindest für seine Menschlichkeit spricht)
Und wie bereits erwähnt fehlt der gesamten Geschichte durch das unrealistische Ende auch noch die Lehre. Anbei bemerkt ist es wohl zunächst völlig abwegig, dass das Wechseln der Schule dazu führt, dass alle Aktivitäten vergessen werden. Das sollte Herr Kaster auch wissen, immerhin hat er selbst mehrmals geschrieben, dass Personen aus ganz Deutschland die Beiträge von Alina gesehen haben – und nicht nur die Personen aus Alinas Schule. Aber stellen wir den Realitätsfaktor mal dahin (was bei diesem Werk wohl ohnehin bitter nötig ist) und versuchen eine Lehre aus dem Werk zu ziehen. Da ist auf der einen Seite das Problem: „Das Internet Vergisst nicht“, was eigentlich darauf hinarbeitet, dass man mit Vernunft und Vorsicht posten sollte und sich mit den eigenen Veröffentlichungen irgendwie identifizieren können soll. Sollte man dennoch einmal etwas unklug gepostet haben, sollte man alles daran setzen, sich damit zu arrangieren und die veröffentlichungen in ein besseres Licht zu rücken. Stattdessen entscheidet sich Kaster dafür, Alina doch abtauchen lassen zu können und lässt sie ein Leben unbeirrt von ihren Fehlern führen. Für mich persönlich ist das etwas fragwürdig.
Ebenso fragwürdig erscheint mir überhaupt die Notwendigkeit des gesamten Werkes als Element des Schulunterrichtes. Ich vertrete im Allgemeinen die Meinung: „Jedes Stück Schrift hat seinen Platz.“ Ich glaube aber, dass der Platz dieses Werkes wohl eher noch gefunden werden muss. Die pädagogischen Inhalte wurden viel zu klar reagiert. Ich weiß aus erster Hand: Pädagogische Werte können einen Schüler auf diese Weise gar nicht erreichen. Jedenfalls nicht die Vielzahl der Schüler, die dadurch angesprochen wird. Die Idee, dass man sich selbst treu bleiben soll, wird ja bereits seit hunderten von Jahren in durchaus viel anschaulicherer Literatur verarbeitet. Zu meiner Zeit in der siebten Klasse haben wir „Tintenherz“ von Cornelia Funke durchgearbeitet. Klar, das hatte etwas mehr als 150 Seiten und klar, es hat auch etwas mehr als 5€ gekostet. Dafür war die Lehre auch etwas größer als: „Pass auf was du tust – obwohl letzten Endes kannste dich immer davor verstecken“ Was es dieser Unterschied Wert ist, liegt im schlimmsten Fall wohl in der Begutachtung des entsprechenden Deutschlehrers.
Abschließend möchte ich betonen, dass sowohl ich als auch meine Schwester eine Menge Spaß mit dem Werk haben konnten. Man muss nur alles daran setzen, den so schlecht konstruierten Ernst aus der Geschichte zu nehmen, wie es nur möglich ist. Spricht man den Bruder wie einen Macker, die Eltern etwas Sächsisch, die Lehrerin wie die Böse Hexe des Ostens aus dem Musical „Zauberer von Oz“ und abstrahiert man die gesamte Geschichte durch beifällige Bemerkungen dann geht zwar der konstruierte „Sinn“ der Geschichte verloren – man erhält jedoch im Gegenzug dazu eine furchbar amüsante Komödie.
Fazit: „Ich habe schon über 500 Freunde!“ ist ein exemplarisches Beispiel für Schulliteratur, die Schüler schlichtweg nervig finden. Deshalb, weil es so unglaublich offensichtlich konstruiert ist, dadurch dass alle Situationen und Gespräche so leblos naiv gestaltet werden und dadurch, dass der Bildungsauftrag so fürchterlich offensichtlich plakativ dargestellt ist. Die ersten Suchvorschläge von Google bei dem Stichwort »Ich habe schon über 500 Freunde« weisen auf Zusammenfassungen, Inhaltsangaben und Arbeitsblätter mit samt Lösung. Bei dem oben bereits angeführten „Tintenherz“ bekommt man als Ergänzung „Buch“ „Film“ und „Teil 2“ vorgeschlagen.
Bei dem Pizza und Dönerladen hier gleich in der Nähe bekomme ich für 5€ eine kleine Pizza Salami. Ich behaupte: Das K.L.A.R - Taschenbuch kann es damit nicht auf sich nehmen.

Samstag, 17. Juni 2017

Wider dem Blockadedenken!

In der am 17. Juni herausgegebenen Ausgabe der OTZ las ich einen Beitrag der nicht nur mich, sondern wohl auch einen relativ großen Teil der Leser – jedenfalls jener Leser, die gerade in der Schulzeit sind oder jene gerade hinter sich gebracht haben – ansprach: Da schrieb eine Abiturientin ihre Meinung darüber aus, welch grausamer Ort die Schule für sie gewesen ist. Es werde gar nicht versucht, ein Talent beim Schüler zu entwickeln viel mehr werde darauf hingewirkt, dass ein Monotones auswendig-lernen zum Schul- und Studienerfolg und somit zur sozialen Absicherung führt. Die meisten Schüler haben wohl auch sicher eine große Freude mit diesem Beitrag gehabt: Da spricht eine, die es geschafft hat, die ein Abitur in der Tasche hat und trotzdem von der Angst berichtet. Und sie kritisiert das geläufige Schulsystem immerhin unter Zuhilfenahme einer beeindruckenden Rhetorik, was den Leser wohl oder übel auf einen gewissen Intellekt schließen lässt. Aber wo kommt der denn nur her? Ich vermute ja latent, dass sie eben diese Wortgewandtheit nicht dadurch erlangt hat, dass sie sich aus purem Interesse in ihrer Freizeit mit der Vielzahl der Möglichkeiten der deutschen Grammatik beschäftigt hat, sondern weil sie diese auf die eine oder andere Art und Weise in der Schule hat angelernt bekommen.
Man muss mit Beiträgen wie dem von Frau Riedel sehr vorsichtig umgehen. Ebenso wie mit meiner Meinung dazu. Denn die Beiträge sind bewusst emotional verfasst. Da ist diese Toilette in der Schule, in der man sich täglich einschließt um zu weinen. Man sieht zu wie alle unter dem Lernstress zerbrechen oder wie andere sogar ganz aufgeben. Furchtbare Eindrücke sicherlich, die gewisser Weise sicherlich überall vorkommen. Aber ist die Schulzeit wirklich so schlecht? Ist da wirklich nichts weiter als der immer wieder stupide Ablauf Lernen-Schreiben-Vergessen? Ich persönlich habe ganz andere Erfahrungen gemacht und bin auch der Meinung, dass – auch wenn das nicht alle wahr haben wollen oder gar öffentlich zugeben wollen – jeder in der Schule auch wichtige Erfahrungen fürs Leben gelernt hat. Die Schule weckt Interessen. Hin und wieder muss man eben erst zu etwas gezwungen werden, bevor man merkt, wie sehr es einen Interessiert. Bei mir ist es Beispielsweise in Geschichte so gewesen. Ich kenne das von Frau Riedel beschriebene Gefühl „Alles was ich mache, mache ich für das System“ sehr gut. Ich kenne die Gedankenansätze wie „was mich wirklich interessiert, lerne ich hier niemals“ ebenfalls sehr gut. Und das Gefühl hatte ich eben auch in Geschichte sehr oft. Da lernt man in den ersten 3 Jahren fast nur Jahreszahlen. Kaum Zusammenhänge im besten Fall betrachtet man einzelne Epochen etwas genauer. Und dann auf einmal hatte ich so einen „Klick“ Effekt und ich verstand auf einmal so viele Zusammenhänge konnte beispielsweise die Emotionen empfinden bei den ersten Versuchen des deutschen Volkes eine eigene Nation zu Begründen. Die Grundlagen, in den ersten Jahren mühselig angelernt geben mir jetzt erst die Möglichkeit mich in ein so komplexes Themengebiet einzufinden. Neben mir in Geschichte sitzt ein Typ, den das nicht interessiert. Er lernt auswendig, statt sich mit den komplexeren Strukturen zu befassen – kriegt trotzdem seine Bewertung „gut“ Der ist dafür in Fächern wie Physik begeistert, was mir hingegen Fern liegt.

Es ist doch überhaupt nicht die Aufgabe der Schule mich persönlich komplett zu bedienen. Es geht nicht darum, dass ich daran gebunden bin, meinen Weg bereits in der Schule zu bestimmen. Es geht darum mir die verschiedensten Bereiche des Weltgeschehens nahe zu bringen, dass ich erkennen kann, was mir wirklich liegt und was ich später in der Welt machen will. Im Artikel wird bemängelt, dass man nicht mit Fragen konfrontiert wird, die noch keine eindeutige Antwort gefunden haben. So wie ich das sehe, trifft das nicht einmal zu. Wer so etwas behauptet, war eventuell nicht Aufmerksam genug, oder hat es nicht einmal Versucht, solche Fragen zu finden. Mir persönlich fällt da die typische Schuldfrage des ersten Weltkrieges ein. In der Physik gäbe es wohl auch noch eine menge ungeklärter Themen – Etwa die Konstruktion zur präzisen Ermittlung der Gravitationskonstante. Dass Ethik, Religion, Sozialkunde oder Psychologie ebenfalls nicht eindeutig gelöste Fragen aufwerfen, muss hoffentlich nicht weiter ausgeführt werden. Jedes Stoffgebiet hat solche Fragen und in der Regel weisen Lehrer auch darauf hin. Es ist die Aufgabe des Schülers sich am Unterricht so zu beteiligen, dass er sich eine eigene Meinung und Position daraus bilden kann. Klar gibt es Themen, bei denen man viel lernen muss. Der Aufbau der DNA wäre wohl so ein Beispiel, wo jedes Molekül theoretisch noch kleiner zerlegt werden könnte, bis man die Wasserstoffbrücken beschreibt als ein Wirrwarr aus Elektronen und Protonen sonder Zahl. Aber das liefert wiederum die Grundlage um über viel größeres zu diskutieren. Weit geführte Debatten über Gentechnik ergeben doch erst dann Sinn, wenn man irgendwo einen Überblick hat, wie so etwas funktioniert. Aber niemand wird gezwungen, weite Debatten über Gentechnik zu führen. Man kann auch etwas auswendig lernen und gleich wieder vergessen, solang man seine Lieblingsgebiete hat solang man eine Leidenschaft für irgendein Thema der Schule entwickeln kann. Und der Behauptung, dass dem nicht so ist fehlt zweifelsfrei jegliche Grundlage: Werden doch Sprachen, Natur- und Geisteswissenschaften, Sportarten und Künste allesamt gelehrt.

Ferner kann ich dementieren, dass man nur mit einem guten Abitur eine gute Arbeitsstelle erhält oder soziale Absicherung. Das sollte so auch von der Schule nicht suggeriert werden. Wer ein abgesichertes Leben führen will, braucht nicht zwangsläufig einen guten Abschluss – gleichwohl ist auch ein guter Abschluss kein Garant dafür, dass man ein abgesichertes Leben führen kann – viel mehr geht es darum, dass man seine Interessen, die man in der Schule oder während der Schulzeit gefunden hat, ausarbeitet und sich in dem weiterentwickelt, was individuell als wichtig erachtet wird. Man kann beispielsweise auch mit nachgeholtem Fachabitur entsprechend seinen Berufswunsch erfüllen und sozial abgesichert eine Existenz und eine Familie Gründen.

Was einem nicht zu einer abgesicherten Zukunft verhilft, ist das gelernte zu verrufen und die Schule, die einem so viel gibt oder zu geben hat, in den Dreck zu ziehen. Es bringt weder der Autorin noch den Lesern des Artikels etwas, eine derart kritische Herangehensweise an das Schulwesen zu pflegen. Eine Kritik gegen das System, ohne Aussicht auf Verbesserung. Sicherlich ist die Schule nicht perfekt. Für niemanden. Aber das macht sie auch nicht komplett schlecht. Dieser Artikel zeigt auf keine Richtung, die zu gehen sei, er liefert keinen Blick für Alternativen. Das lädt den Leser förmlich dazu ein, sich mit Frau Riedel in ihre Toilette zu stellen und darüber zu weinen, wie schrecklich die Gesellschaft ist und dem Untergang geweiht. Ich bin der Meinung: Das ist die Falsche Herangehensweise. Man sollte sich nicht dazu verleiten lassen nur alles schlechte an der Schule zu beleuchten sondern sich auch das ein oder andere mal besinnen auf das, was die Schule einem gebracht hat, welche Wege man nun im eigenen Leben erschließen kann, welche Interessen in der Schulzeit geweckt und gefördert wurden. Aus den gesammelten Erfahrungen und der entwickelten Intellektualität ergibt sich sich der Sinn des Schulwesens.

Freitag, 16. Juni 2017

Hallo alle!

... und auch ein herzliches „Hallo“ an alle anderen!
Hier ist also mein neuer Blog den ich regelmäßig (wirklich, ich habe sonst kaum was besseres zu tun!) mit zahlreichen persönlichen Eindrücken und Meinungen füllen werde. Natürlich entstehen zusammen mit einem neuen Blog viele Fragen: „Was wird hier kommen?“ „Was macht diesen Blog geschmacklos?“ und viele weitere interessante Fragen werden mich sicherlich von der tausendschaft der Leserscharen überrennen, weshalb ich sie gleich vorweg beantworten will: Dieser Blog wird von mir vorraussichtlich hauptsächlich genutzt werden, um an den Meinungen und Darstellungen, die man in Zeitung, Internet, Film, Fernsehen und Literatur unterbreitet bekommt, Kritik zu üben. Selbstverständlich gibt es viele Beiträge, die auch meine volle Zustimmung erhalten - wer weiß jedoch, ob die hier einen Platz finden werden.
Das Blog-Konzept, wie ich es eben beschrieben habe klingt in erster Linie wahrscheinlich etwas abgedroschen: wieder so ein Blogger, der sich nur beschweren wird, der nur Kritik übt und alles nieder richtet, was ihm in die Quere kommt.. -- Darauf hat keiner kaum einer Lust. Deshalb versuche ich in meinen Postings wenigstens eine kleine Richtung anzugeben, mit meiner Kritik einen Zweck für die Leser zu erreichen und irgendwie so viele Seiten wie möglich zu beleuchten.
Es ist mir persönlich aufgefallen (und ich bin sicher, dass ich da nicht der einzige bin) dass Medien immer wieder sehr manipulierend dokumentieren, sehr richtungweisend ihre eigene Position in die Beiträge einarbeiten und somit ein Bild beim Leser, Zuhörer oder Zuschauer erzeugen, welches schlicht und einfach unvollständig ist, da es nur eine Seite darstellt.
Das Prädikat "geschmacklos" habe ich meinem Blog im voraus bereits gutgeschrieben, weil ich sicher bin, dass in absehbarer Zeit Beiträge folgen werden, die den einen oder anderen Leser unter Umständen empören könnte. In diesem Fall kann ich dann getrost auf den Namen meines Blogs verweisen und darauf, dass man ja weiß, worauf man sich einlässt.

Ich denke, früher oder später wird die Zeit ohnehin Zeigen, was aus diesem Blog hier wird. Und sollte das wirklich irgendwer lesen und einen Nutzen daraus ziehen können, dann hat sich für mich der Sinn dieses Blogs schon erwiesen. Bis dahin noch n' schönes Wochenende,
Samuel Winkler,
im folgenden Schmuel genannt